Auswanderung aus Deutschland. Arzt Mediziner Akademiker

Warum wandern Ärzte aus Deutschland aus?

Der Arztberuf genießt hohes Ansehen. Jeder weiß, dass zum Studium hervorragende Schulleistungen Voraussetzung sind, die Ausbildung lange dauert und sehr anspruchsvoll ist.
Als Motivation im harten Marathon des Medizinstudiums winkt neben dem abwechslungsreichen Therapieren und Helfen unterschiedlichster Menschen auch die Anerkennung im später ausgeübten positiv besetzten Beruf und ein erwartetes gutes Einkommen.
Zwar wissen auch Medizinstudenten von schlecht laufenden Arztpraxen und bürokratischen zeitfressenden Abrechnungsmodalitäten, doch ist dies für sie zunächst Theorie.
Sie hoffen auf bessere Zeiten und selbst eine wirtschaftlich geschickte Strategie zu entwickeln, mit der sie sich eine gute Lebensqualität sichern - finanziell gut gestellt und mit ausreichend Freizeit.
Arzt gilt nach wie vor als Traumberuf.

Nach der Approbation kommt für viele junge Ärzte die eiskalte Ernüchterung.

Direkt nach dem Studium weiter im Krankenhaus tätig, müssen sie sich einem harten Arbeitsalltag stellen.
Ständige Überstunden und Bereitschaftsdienste inklusive Nachtschichten sind legendär, die angedachte Freizeitabgeltung zu einem anderen Zeitpunkt oft nicht einzuplanen. So mancher Arzt würde auf die alternativ erfolgende Überstundenvergütung verzichten, hätte er dafür mehr Zeit für seine Freundin.
Dazu kommt, dass ein genaues Stundenaufrechnen an manchen Krankenhäusern ein Tabu ist. Junge Ärzte haben meistens befristete Verträge und verzichten notgedrungen vielleicht aufs Einreichen ihrer Zusatzstunden aus berechtigter Sorge um ihre Vertragsverlängerung. Frust baut sich auf. Hinzu kommt dann noch stressbedingt, ein an vielen Kliniken herrschender Umgangston wie auf dem Kasernenhof.

Wer gar das Pech hat, bei einer der keineswegs eine Ausnahme bildenden Chefarztspezies eines tyrannischen Despoten zu landen, denkt unweigerlich irgendwann ans Auswandern. Schließlich weiß er von ehemaligen Kommilitonen, dass es ihnen woanders in Deutschland kaum besser ergeht. Dazu geht es neben diesen Missständen im Leben vieler Ärzte aber auch immer wieder um Leben und Tod, selbst Ärzte belasten die Patientenschicksale psychisch oft zutiefst und dies alles zu einer Vergütung, die zur enormen Belastung und langen vorherigen Ausbildung in keinem gesunden Verhältnis steht.

Das Niederlassen mit eigener Praxis erfordert hohes Startkapital und häufig eine Kreditaufnahme, welche sich längst nicht automatisch allein durch regen Patientenfluss kontinuierlich abzahlt.
Gedeckelte Krankenkassenhonorare, deren tatsächliche Höhe ein Arzt erst im Nachhinein erfährt, sowie der Zeitaufwand für einen riesigen Verwaltungsapparat lassen viele Praxen ums Überleben kämpfen oder aufgeben.

Wie anders sieht es da oft im Ausland aus. Ausländische Krankenhäuser locken potenzielle Auswanderer aus Deutschland mit attraktiven Arbeitszeiten und oft exzellenten Gehältern. Bei 30 % höherer oder sogar mehr Entlohnung reibt sich da mancher die Augen.

Erstes noch ungläubiges oder womöglich misstrauisches Staunen weicht allmählich dem Begreifen, vor der Tür eines Ärzteparadieses zu stehen. Andere hochzufriedene Auswanderer holen Kollegen nach. Flache Hierarchien in Kliniken, ein höflicher und respektvoller Umgang sowie geregelte und verlässliche Freizeitphasen tun ihr Übriges, um Ärzte zum Auswandern zu bewegen. Meistens kehren die Auswanderer unter den Ärzten nicht wieder nach Deutschland zurück.

Solange sich im hiesigen Gesundheitssystem einschließlich Krankenkassenabrechnungen nichts Grundlegendes ändert, wird sich an der Perspektive des Arztberufs nichts verbessern. Hier sollten endlich die anderen Länder als Vorbild zur positiven Entwicklung herangezogen werden.
Es geht hier um mehr als verletzte Eitelkeit ärztlicher Funktionäre und Konsorten. Das Studium eines Arztes verursacht der deutschen Volkswirtschaft bereits Kosten in Höhe von einer halben Million Euro. Durch die Auswanderung eines Arztes verliert der Staat neben dieser nun einem anderen Land zugutekommenden Investition nicht nur dieselbe, sondern außerdem Folgeeinnahmen in noch größerem Umfang durch künftig entgangene Steuer- und Sozialversicherungsabgaben.